Auswirkungen des Brexits auf deutsche Unternehmen

Sicht der Deutsch-Britischen Industrie- und Handelskammer bezüglich der aktuellen Brexit Situation mit Verweisen zu Hauptinformationquellen

Brief des Geschäftsführers: Juni 2018

Es ist wieder an der Zeit zu den Verhandlungen zu kommen

The Royal Wedding was a welcome distraction for a few weeks but now it is time to get down to business again. With the Brexit deadline slowly but steadily approaching, time is running out and one does not have the feeling that this urgency is felt by everybody.

The discussions about the future customs arrangement show that there is more than one devil in the detail. Whatever the future arrangements will be, the idea of frictionless trade may well turn out to be an illusion – and this may not be the only one. Let us remind ourselves that, independent of any transition period, which still has to be finally agreed and ratified, Britain will be leaving the EU on 29 March 2019. Therefore “business as usual” will no longer apply in a significant number of instances from that day onwards, as Britain will cease to be part of many agreements the EU has concluded on behalf of all member states.


Weiter lesen

Zusätzliche Informationen

  • IHK-Checkliste für Unternehmen
  • Brexit: Eine endgültige Einigung ist noch in weiter Ferne
  • Auswirkungen des Brexit
  • Information für EU-Bürger
  • Ergebnisse der 2017 Brexit Umfrage
  • Stimmen zum Brexit aus Irland über Nordirland

IHK-Checkliste für Unternehmen

Am 30. März 2019 verlassen die Briten die Europäische Union. Das ist definitiv. Sehr wahrscheinlich ist, dass es nach dem Ausstieg eine Übergangsphase geben wird. Diese endet am 31. Dezember 2020. In dieser Zeit ist Großbritannien politisch schon außen vor, wirtschaftlich soll aber vorerst durch die Mitgliedschaft in Zollunion und Binnenmarkt alles beim Alten bleiben. Nach der Übergangsphase wird das Vereinigte Königreich zum Drittstaat. Ob es gelingt, rechtzeitig ein Freihandelsabkommen zwischen der EU-27 und dem Vereinigten Königreich abzuschließen, ist ungewiss. Sollte es zu keiner Einigung auf eine Anschlusslösung kommen, würde der Handel zwischen Großbritannien und der EU lediglich nach den WTO-Regeln erfolgen.

Klar ist bereits jetzt: Die Unternehmen müssen sich auf Veränderungen einstellen. Insbesondere im Warenverkehr wird es eine Reihe von Verschlechterungen geben. Die Vorbereitungen in den Unternehmen auf den Brexit können umfangreich sein – abhängig unter anderem vom künftigen Engagement in Großbritannien, von der Unternehmensgröße und der Branche. Die beigefügte Checkliste soll zeigen, wo Anpassungsbedarf in den Unternehmen herrscht. Die Themen werden wir im Lichte der Verhandlungsergebnisse schrittweise erweitern und aktualisieren. Für weiterführende Fragen stehen den Unternehmen die Industrieund Handelskammern vor Ort gerne zur Verfügung.

Im Folgenden wird bei der Verwendung des Begriffs „Brexit“ davon ausgegangen, dass Großbritannien den Europäischen Binnenmarkt verlässt – entweder am 30. März 2019 oder mit Ablauf einer Übergangsphase Ende 2020.

17 Themen, die Unternehmen berücksichtigen sollten

Brexit: Eine endgültige Einigung ist noch in weiter Ferne

Nachdem Ende 2017 die erste Phase der Austrittsverhandlungen zwischen der EU und Großbritannien mit einer grundsätzlichen Einigung über die „Scheidungssumme“, die nordirische Grenze und die Bürgerrechte abgeschlossen wurde, begann im Frühjahr 2018 die zweite Phase, deren Ausgang Unternehmen auf beiden Seiten des Kanals mit Ungeduld entgegensehen.

Auftakt war eine Rede der britischen Premierministerin Theresa May von Anfang März 2018, in der sie den Willen zu weiterer guter Zusammenarbeit mit der EU und den Wunsch nach Vereinbarung einer Übergangsperiode bestätigte. Allerdings wiederholte sie auch die "roten Linien" (u.a. Beschränkung der Einwanderung, Loslösung vom Europäischen Gerichtshof, Austritt aus der Zollunion und dem europäischen Binnenmarkt) und die Wünsche der britischen Regierung nach maßgeschneiderten Deals für bestimmte Wirtschaftszweige, insbesondere auch für die Finanzindustrie.

Die EU stimmte der Vereinbarung einer Übergangsperiode mit Verbleib im Binnenmarkt und der Zollunion bis Ende 2020 grundsätzlich zu, will aber mit Großbritannien nur ein herkömmliches, Dienstleistungen weitgehend begrenzendes, Freihandelsabkommen abschließen. Als Begründung gab die EU an, dass ein solches die einzige Möglichkeit sei, die britischen "roten Linien" und die EU-Grundregeln in Einklang zu bringen. Einzelregelungen für bestimmte Industriezweige soll es daher nicht geben und Großbritannien muss sich außerdem verpflichten, keine deregulierte „Steueroase“ zu werden. Mit diesen Forderungen will die EU verhindern, dass sich Großbritannien die "Rosinen" aus einer EU-Mitgliedschaft herauspickt und gleichzeitig die Vorteile eines Drittstaates genießt. Weiterhin soll der gegenseitige Zugang zur öffentlichen Auftragsvergabe und Schutz von geistigen Eigentumsrechten gewährleistet werden. Zusätzlich drängt die EU darauf, sobald wie möglich ein gemeinsames Luftfahrtabkommen auszuhandeln, um den Bestand der Luftverkehrsverbindungen zwischen Großbritannien und dem Kontinent zu sichern.

Nach dem jetzigen Stand der Verhandlungen und der jeweiligen Positionen muss deswegen mit der Einführung von Zollkontrollen an den Grenzen gerechnet werden. Obwohl die EU weder Zölle oder Mengenbeschränkungen auf Güter erheben möchte, hätte die Einführung von neuen Kontrollen weitreichende Auswirkungen auf die Lieferketten, da mit einem erhöhten administrativen Aufwand zu rechnen ist. Ebenfalls ist noch unklar, wie derzeitige Freihandelspartnerländer der EU zukünftig Großbritannien behandeln werden. Da Großbritannien Ende März 2019 rechtlich die EU verlassen und Drittstaat wird, ist dies eine Frage, die losgelöst von der im März 2018 grundsätzlich vereinbarten Übergangsperiode betrachtet werden muss. Des Weiteren verliert Großbritannien in dieser Übergangsperiode weitestgehend das Mitspracherecht bei EU-Entscheidungen, kann dafür jedoch schon neue Handelsabkommen abschließen, die sich aber aus Praktikabilitäts- und Kapazitätsgründen im Wesentlichen an den bestehenden EU-Abkommen orientieren werden müssen.

Nichtsdestotrotz hat die grundsätzliche Vereinbarung der Übergangsperiode eine gewisse Erleichterung bei den Unternehmen ausgelöst, da sie somit in vielen Fällen fast zwei Jahre Aufschub gewonnen haben. Bedacht werden sollte aber, dass diese Übergangsperiode auch noch ratifiziert werden muss und dies wird voraussichtlich erst gegen Ende 2018/Anfang 2019 geschehen.

Auch wirft der zukünftige Status von Nordirland weiterhin erhebliche Fragen auf, denn, wie erwähnt, erscheint derzeit die Wiedereinführung von Zollkontrollen unausweichlich. Solche Kontrollen sind aber unvereinbar mit dem erklärten Wunsch beider Seiten, die weiche Grenze zwischen Nordirland und der Republik Irland aufrechtzuerhalten.

Da derzeit noch keine Klarheit über einen möglichen Verhandlungskompromiss besteht, insbesondere auch weil der Brexit ein ideologisches Projekt von wichtigen Teilen der Konservativen Partei ist, ist es weiterhin schwierig für deutsche Unternehmen, für eine bestimmte Art von Brexit zu planen. Die Auswirkungen des Brexits auf die britische Wirtschaft anhand möglicher Austrittsszenarien ("no Deal" und Welthandelsorganisationregeln; Freihandelsabkommen nach dem kanadischen Vorbild; Verbleib im Binnenmarkt und/oder Zollunion) werden momentan mit einem kumulierten Wachstumsverlust von 8%, 5% bzw. 2% über 15 Jahre prognostiziert. Diese Zahlen bedeuten im schlimmsten Fall, dass Großbritannien über die nächsten 15 Jahre durchschnittlich um ein halbes Prozent weniger wachsen wird – eine zwar unnötige, aber durchaus verkraftbare Wachstumsbelastung.

In Bezug auf den Verhandlungsausgang Prognosen abzugeben ist schwierig, festzuhalten bleibt aber, dass nichts auszuschließen ist. Ein weitestgehender Verbleib in der Zollunion liegt durchaus im Rahmen der Möglichkeiten, da dieses eine Vielzahl von Problemen lösen würde. Selbst bei einem harten Brexit mit den oben erwähnten wirtschaftlichen Auswirkungen sollte aber nicht vergessen werden, dass das Vereinigte Königreich auch zukünftig ein wichtiger Partner Deutschlands sein und der britische Markt für deutsche Unternehmen weiter erhebliche Chancen bieten wird.

Dr. Ulrich Hoppe
Hauptgeschäftsführer
Deutsch-Britische Industrie- und Handelskammer

Auswirkungen des Brexit

Erfahrungen und Perspektiven der deutschen Wirtschaft im Geschäft mit dem Vereinigten Königreich - Sonderauswertung der IHK-Unternehmensumfrage Going International 2018.

Die bundesweite Umfrage „Going International 2018“ des DIHK ist mit Unterstützung von 79 Industrie- und Handelskammern (IHKs) in Deutschland erstellt worden. An der Befragung im Februar 2018 haben sich über 2.100 auslandsaktive Unternehmen mit Sitz in Deutschland beteiligt. Die Ergebnisse der vorlie-genden Sonderauswertung zum Brexit basieren auf den Antworten von rund 900 Unternehmen, die mit UK geschäftlich in signifikantem Umfang in Verbindung stehen. Das sind 43 Prozent der Unternehmens-antworten.

Weiter lesen



© Fotolia / Delphotostock

Information für EU-Bürger

Von der Europäischen Kommission:

Was sind meine Rechte als EU Bürger?
„Als Bürger des Vereinigten Königreichs oder eines anderen EU Landes – ist man automatisch auch EU Bürger.“
Weitere Informationen

Von der britischen Regierung:

Status von EU-Bürgern im Vereinigten Königreich: was Sie wissen müssen
„Für im Vereinigten Königreich lebende EU-Bürger besteht vorerst kein Handlungsbedarf. Solange das Vereinigte Königreich Mitglied der EU bleibt, ändert sich nichts am Status von im Vereinigten Königreich lebenden EU-Bürgern.“
Weitere Informationen

Ergebnisse der 2017 Brexit Umfrage

Mehr als 60% aller Befragten (Mitgliedern der Deutsch-Britischen Handelsgemeinschaft) sind der Meinung, dass sich der Brexit mit großer Wahrscheinlichkeit negativ auf künftige Investitionen Ihrer Unternehmen im Vereinigten Königreich auswirken wird. 30% gehen sogar davon aus, dass der Rückgang Ihrer Investitionen mehr als 10% betragen wird. Im Gegensatz dazu, glaubt lediglich jeder zwanzigste (5%) an einen positiven Einfluss auf künftige Investitionen im Vereinigten Königreich.

Für die vollständige Auswertung der Befragung, klicken Sie bitte hier.

Stimmen zum Brexit aus Irland über Nordirland

Die Deutsch-Irische AHK in Dublin veröffentliche kürzlich Beiträge von Vertretern aus Wirtschaft und Handel zu Irlands besonderer Stellung im Schatten des Brexit. Zwei Inseln am Rande Europas, die viele Jahrhunderte Geschichte mit einander verbindet und eine bis in die Neuzeit umstrittene Grenze trennt. Welche Auswirkungen wird die Neuordnung der Handelsbeziehungen zwischen der Republik Irland und dem Vereinigten Königreich mit sich bringen?

Für Unternehmen und Wirtschaftsvertreter aus anderen EU-Mitgliedsstaaten mit Handelsbeziehungen zu Großbritannien sind die Artikel jedoch vor allem aufgrund der Stellungnahme zum aktuellen Stand der Verhandlungen in Brüssel sowie der Analyse der wirtschaftlichen Konsequenzen für Großbritannien interessant.

Irland, Deutschland und die EU: Herausforderung Brexit