Großbritannien: Britische Unternehmen wollen nur bis Dezember warten

Falls es bis Weihnachten keine Brexit-Einigung gibt, wollen Britische Firmen ihre Notfallpläne umsetzen. Dann drohen Arbeitsplatzabbau und Produktionsverlagerungen.

Ohne Brexit-Deal mit der Europäischen Union will die Mehrheit der britischen Unternehmen noch vor Weihnachten Notfallpläne in Kraft setzen. Der Verband der britischen Industrie erklärte am Sonntag, dazu gehöre, dass Arbeitsplätze abgebaut, Lieferketten umgestellt, Waren als Vorrat gelagert und Produktionen ins Ausland verlagert werden. Großbritannien scheidet Ende März 2019 aus der Europäischen Union aus. "Die Situation ist dringend", erklärte die Vorsitzende des Industrieverbands CBI, Carolyn Fairbairn. "Das Tempo der Verhandlungen wird von der Realität überholt, der sich die Unternehmen stellen müssen." Ohne eine Einigung mit der EU müssten die Firmen ihre Notfallpläne einleiten. Die Verhandlungen zwischen Großbritannien und der EU treten derzeit auf der Stelle. Ein wichtiger Streitpunkt ist die Zukunft der Grenze zwischen dem EU-Mitglied Irland und Nordirland, das zum Vereinigten Königreich gehört. Selbst wenn noch eine Einigung zustande kommt, bestehen Zweifel, ob die britische Premierministerin Theresa May eine Mehrheit im Parlament dafür sichern kann.

Die meisten Firmen leiden schon jetzt unter dem Brexit

Der CBI befragte 236 Mitglieder, zumeist aus den Reihen der kleineren und mittleren Unternehmen mit weniger als 500 Mitarbeitern. 82 Prozent von ihnen erklärten, sie wollten Notfallpläne in Kraft setzen, wenn bis Dezember keine Einigung zustande komme. 80 Prozent gaben an, die Entscheidung für den Brexit habe schon jetzt negative Folgen für ihr Geschäft. Das waren doppelt so viele wie vor einem Jahr. Am Samstag hatten laut Veranstalter beim People's Vote March in London etwa 700.000 Menschen gegen den Brexit demonstriert. Bürgermeister Sadiq Khan von der oppositionellen Labour-Partei sprach von einem "historischen Moment" der Demokratie. Die politisch angeschlagene Premierministerin Theresa May hatte jedoch schon zuvor ein zweites Referendum abgelehnt.

Quelle: Die Zeit

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