Zehn Jahre ist es her, dass die Britinnen und Briten 2016 in einem Referendum mehrheitlich für den Austritt aus der Europäischen Union stimmten. Vier Jahre später trat der Brexit in Kraft. Nach diesem Tiefpunkt der Beziehungen hat sich das britische Verhältnis zur EU und zu Deutschland deutlich verbessert. Der Wiederannäherungskurs des britischen Labour‑Premierministers Keir Starmer zielt sowohl auf bessere Handelsbeziehungen mit der EU als auch auf engere Wirtschaftsbeziehungen mit der Bundesrepublik.
Deutsch-britisches Wirtschaftsforum Ende April in Berlin
Ein Beleg dafür ist das hochrangige Germany-UK Business Government Forum, das am 27. April 2026 in Berlin stattfindet. Registrierungen sind noch möglich. Die Konferenz wird von Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche und ihrem britischen Amtskollegen Peter Kyle eröffnet.
Das Treffen der deutsch-britischen Wirtschaftsrepräsentanten ist eins von 17 Leuchtturmprojekten des im Juli 2025 geschlossenen Kensington-Vertrags. Der deutsch-britische Freundschaftsvertrag zielt auf eine verstärkte Zusammenarbeit ab. Er soll unter anderem die Kooperation bei Sicherheit und Verteidigung stärken, Wirtschaftsbeziehungen verbessern, Mobilitätsschranken abbauen und gesellschaftliche Verbindungen fördern.
Maßnahmen zur Verbesserung der bilateralen Beziehungen in Planung
Der Kensington-Vertrag ist mehr als eine politische Willensbekundung. Neben dem Business Government Forum soll laut Aktionsplan auch ein Defence Industry Forum organisiert werden. Außerdem unterstützen die Regierungen die Entwicklung eines hybriden Interkonnektors in der Nordsee, den Aufbau einer Wasserstoff- und CO2-Infrastruktur, eine wachstumsfördernde Kooperation der öffentlichen Finanzinstitutionen, sowie eine mögliche Bahnverbindung zwischen beiden Ländern. Britischen Staatsangehörigen sollen bei der Einreise nach Deutschland zudem automatische Grenzkontrollschleusen, sogenannte e-Gates, zur Verfügung stehen.
Die deutsch-britische Wiederannäherung ist aus wirtschaftlicher Perspektive überfällig. Der bilaterale Handel hat sich aus deutscher Sicht so schwach entwickelt, dass die britische Insel 2022 aus den Top 10 der wichtigsten Partnerländer gefallen ist. Mittlerweile ist der Abwärtstrend gestoppt: Mit einem Handelsvolumen von 118,4 Milliarden Euro liegt das Königreich 2025 wieder auf dem 9. Platz. Damit ist es allerdings noch weit entfernt vom 5. Platz, den es bis 2017 konstant hielt. Preisbereinigt liegt der bilaterale Handel laut GTAI-Berechnungen noch rund 16 Prozent unter dem Niveau des Vor-Brexit-Jahres 2019. Der mengenmäßige Handel hinkt sogar 27 Prozent hinterher.