Im vergangenen Jahr exportierte Sachsen Waren im Wert von 4,23 Milliarden Euro – vor allem Erzeugnisse des Kraftfahrzeugund Maschinenbaus. Damit war Großbritannien der drittwichtigste Exportmarkt für den Freistaat. Bei den Einfuhren liegt der Fokus auf Erzeugnissen des Kraftfahrzeugbaus sowie elektrotechnischen Produkten und Rohstoffen. Mit einem Umfang von rund 623.000 Euro belegt Großbritannien damit Platz 17 im Importranking.
Attraktive Sektoren für sächsische Unternehmen
Die britische Regierung investiert gezielt in Zukunftsbranchen, die interessant für sächsische Unternehmen sein könnten:
- Maschinen- und Anlagenbau: Der britische Maschinenbausektor mit über 71.000 Beschäftigten und einem jährlichen Umsatzwachstum von derzeit etwa 23 Prozent bietet sächsischen Unternehmen u. a. aufgrund aktueller Digitalisierungsund Nachhaltigkeitsbemühungen gute Geschäftsansätze sowie Zugang zu weiteren Sektoren, wie Automobil, Luftfahrt, Bauwesen und Erneuerbare Energien und ein breit aufgestelltes Netzwerk für Innovation und Forschung. Es besteht zudem Unterstützungsbedarf bei der Erreichung des Net-Zero-Zieles in der Industrie. Die britische Industrie modernisiert ihre Fertigungsprozesse stark. Sächsische Spezialmaschinen, Automatisierungslösungen und Präzisionswerkzeuge sind gefragt, da das Land einen großen Teil seines Bedarfs über Importe deckt.
- Umwelt- und Energietechnik: Der Energiemix in Großbritannien hat sich in den letzten Jahren gewandelt, hin zu erneuerbaren Energiequellen. Der Energiesektor bietet u. a. aufgrund der ehrgeizigen Ziele der britischen Regierung und damit verbundener Investitionen gute Optionen: Erneuerbare Energieressourcen sind reichlich vorhanden. Ein wachsender Markt für E-Autos erhöht den Bedarf an Ladeinfrastruktur, Batterietechnik und intelligenten Ladelösungen. Auch die Nachfrage nach Lösungen für energieeffiziente Gebäudetechnik und Infrastruktur steigt.
- Life Sciences & Medizintechnik: Der britische Gesundheitssektor (NHS) steht unter permanentem Modernisierungsdruck. Innovative sächsische Lösungen in den Bereichen Biotechnologie, Medizintechnik und Laborausstattung stoßen auf eine hohe Importnachfrage. Am stärksten wurde in den letzten fünf Jahren in den Bereichen Biotechnologie, Pharmazeutische Erzeugnisse, medizinische Geräte und die medizinische Versorgung investiert. Es bieten sich auch für sächsische Unternehmen gute Möglichkeiten, insbesondere in der Entwicklung und Integration von digitalen Technologien im Gesundheitssektor.
- Sicherheits- und Verteidigungsindustrie: Die Verteidigungsausgaben steigen ab 2027 auf 2,5 Prozent des BIP und in den frühen 2030er Jahren auf drei Prozent. Investitionen von rund 17 Milliarden Euro fließen in die seegestützte nukleare Abschreckung, den Bau von Atom-U-Booten und neue Unterkünfte. Der Defence Investment Plan wird weitere Investitionen priorisieren und absichern. Konkrete Ansatzpunkte bieten u. a. die Bereiche Cybersecurity und Robotik sowie die Zulieferung von Komponenten (Sensorik und Elektronik).
Sächsische Aktivitäten in Großbritannien
Möglichkeiten zur Sondierung des britischen Marktes bot Ende Juni die SACHSEN Sail, die im Rahmen ihrer Tour Birmingham, Manchester und Coventry – die Partnerstädte von Leipzig, Chemnitz und Dresden besuchte und u. a. vom Präsidenten der IHK Chemnitz, Max Jankowsky begleitet wurde. Erst im Oktober 2025 hatte das sächsische Kabinett eine internationale Strategie für den Freistaat Sachsen beschlossen, in der die Regionen West Midlands mit Birmingham und Coventry sowie North West England mit Manchester einen Schwerpunkt bilden sollen. Dabei gelten die West-Midlands, zu denen auch Leipzigs Partnerstadt Birmingham und Dresdens Partnerstadt Coventry gehören, als das industrielle Herz Englands. Auch Manchester, die Partnerstadt von Chemnitz, blickt auf eine spannende Industriegeschichte zurück, hat aber in den vergangenen Jahren einen bemerkenswerten Strukturwandel vollzogen und sich als Standort für digitale Industrieanwendungen, Umwelttechnologie, Medizintechnik und Medienwirtschaft etabliert.
Im Rahmen von Unternehmensbesuchen, Wirtschaftsforen und Symposien diskutierten die Teilnehmer u. a. darüber, wie Industrieregionen neue Märkte erschließen, den Wandel ihrer Wirtschaft gestalten und internationale Kooperationen gezielt für Unternehmen nutzbar machen können. Dabei wurde deutlich, dass beide Seiten großes Potenzial in einer engeren Zusammenarbeit sehen. Geplant sind konkrete Unterstützungsangebote für Unternehmen, die Nutzung bestehender Netzwerke sowie gemeinsame Maßnahmen zur Markterschließung. Die Wirtschaftsförderung Sachsen GmbH (WFS) konnte bei einer Veranstaltung im Rathaus in Manchester zusammen mit den Vertretern aus der Stadt und Region Chemnitz die konkreten Potenziale für mehr Handel und Kooperation zwischen sächsischen und britischen Unternehmen herausstellen. Auch zeigte sich wieder, dass neue Perspektiven dort entstehen, wo Wirtschaftsräume mit ähnlichen Erfahrungen und Ambitionen den direkten Austausch suchen.
KMU-Markterschließungsprogramm des BMWE
Um den britischen Markt zu sondieren und erste Geschäftskontakte zu knüpfen, fördert das KMU-Markterschließungsprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWE) Delegationsreisen. Diese branchenbezogenen Reisen finden noch in diesem Jahr statt:
- Sicherheits- und Verteidigungsindustrie: 30. November bis 3. Dezember 2026
- Handwerk in der Möbelindustrie: 2. Jahreshälfte 2026
- Exportinitiative Energie: Offshore-Wind und grüner Wasserstoff, 4. Quartal 2026.
Ansprechpartner
Für sächsische Unternehmen mit Fragen zum britischen Markt prüft die WFS im Einzelfall, zu welchen Bedingungen eine individuelle Unterstützung für den Markteinstieg möglich wäre. Darüber hinaus bietet die Deutsch-Britische Handelskammer ein breites Spektrum an Dienstleistungen, darunter auch die individuelle Vertriebspartnersuche oder Beratungen zum Arbeitsrecht an. Fragen zur Entsendung oder zu Zollthemen beantworten die Exportscouts der sächsischen Kammern.
Sandra Lange/WFS